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letztes Änderung:
APRIL 2017

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©Gundula Taschner

 http://www.diedutt.de

Artikel Duttfee

Dieser Artikel ist am 21.08.2007 im “Gränzbote Tuttlingen” in der Serie “Sagenhaft” erschienen.

 Im Duttental liegt die Quelle der Stadt
 TUTTLINGEN - Das Kreisgebiet ist ein Sagenland. Die vielen Wälder, Burgen
und Täler scheinen wie geschaffen für schaurig-schöne Geschichten an
geheimnisvollen Plätzen. In unserer Serie "Sagenhaft!" stellen wir einige
von ihnen vor und lassen Menschen von ihren Erlebnissen berichten. Die
Sage von der Duttfee scheint beinahe vergessen

 Von unserer Redakteurin Yvonne Tenhonsel
 

Der Weg führt mitten durch das Café. Hinter die Theke, durch die Küche, an
Abstellräumen vorbei, hinunter in den Keller. Gundula Taschner wartet, bis
das Holz an der Wand zur Seite geschoben ist, dann blickt sie
ehrfurchtsvoll in die Tiefe. Es ist nicht das erste Mal, dass die
Betreiber des "Café Martin" im Zentrum Tuttlingens ihr den Gang in die
hintersten Ecken ihres Hauses gestatten - und doch ist die technische
Zeichnerin, nach anfänglicher Enttäuschung, immer wieder fasziniert. Denn
hinter dem Loch in der Kellerwand des Cafés verbirgt sich mehr als der
Schacht eines Brunnens, der vor dem Stadtbrand 1803 dort, auf dem früheren
Marktplatz, gestanden hat. Für Gundula Taschner beginnt dort die
sagenhafte Geschichte Tuttlingens: die Geschichte der Duttfee.

Der Sage nach hauste die Zauberfrau im Duttental bei der gleichnamigen
Quelle, deren Wasser jahrhundertelang durch hölzerne Röhre in die Stadt
zum Marktbrunnen geleitet wurde. "Es ist sehr wahrscheinlich", schreibt
Karlheinz Müller vom Heimatmuseum anlässlich des Wettbewerbs um den neuen
Marktbrunnen 1985, "dass die Duttfee ein vorchristliches Wesen darstellt."
Ihre steinerne Gestalt, mit starken Brüsten und grobem Gesicht zu zwei
Seiten hin, soll vor dem Stadtbrand den damaligen Marktbrunnen geziert
haben. So steht es in verschiedenen Aufzeichnungen, auch im Ratsprotokoll
von 1827, das von der Duttfee als "Wahrzeichen des Ursprungs der Stadt"
spricht.

Quelle verspricht Schönheit

Und so hat es auch Ursula Kaufmann gehört, die sich von der Quelle im
Duttental, an der die Steinfigur der Sage nach später gefunden wurde, in
ganz besonderer Weise angezogen fühlte: Wer an Ostern bis zum
Sonnenaufgang nicht spricht, zum Brunnen geht, sich dort wäscht und etwas
Trinkwasser abfüllt, wird schön und bleibt gesund. Die Tuttlingerin
glaubte nicht wirklich an die Sage vom Osterwasser - und machte sich
dennoch als 14-Jährige mit Freundinnen eines Morgens auf den einstündigen
Fußweg ins Duttental, um an diesem sagenumwobenen Ort die erzielte Wirkung
zu finden. "Es war spannend", erzählt sie heute lachend, "so ein Brauchtum
wieder aufleben zu lassen."
 Das "Duttental" und die "Duttfee" könnten übrigens Namensgeber der Stadt
sein - tatsächlich wurde Tuttlingen lange Zeit hindurch "Duttlingen"
geschrieben. Gebräuchlich ist heute jedoch die Ableitung vom
allemannischen Namen "Tutilo", der möglicherweise dem ersten Dorfherrn
gehört hat. Beides ist nicht belegt.
 Nach dem Stadtbrand nun wollte die Bevölkerung die Steinfigur der Duttfee
wieder auf dem erneuerten Marktbrunnen sehen - doch das Königliche Oberamt
verbot die Wiederaufstellung des "anstößigen" Kunstwerks. Den gusseisernen
Marktbrunnen von 1827 ersetzte man 1873 schließlich durch zwei Brunnen,
beim Rathaus und beim Gasthaus "Ochsen", und versah sie mit je einer
gusseisernen Quellnymphe - in bewusster Anspielung an die Sagengestalt,
deren Spur sich nach 1827 völlig verliert.
 Die Tuttlingerin Gundula Taschner hat sich auf die Suche begeben und ist
bei ihren Recherchen eben auch auf jenen Brunnenschacht im Café Walter
gestoßen. "Frauenbiografien, Märchen und Spiritualität haben mich schon
immer interessiert", erzählt sie. "Man entdeckt unheimlich viel Spannendes
und taucht immer tiefer in die Hintergründe ein." Die Geschichte der
Duttfee, die sie zum ersten Mal in der Schule hörte und zu der sie im
Internet unter www.dieduttfee.de inzwischen eine eigene Homepage erstellt
hat, hat ihr ein Stück Heimatgefühl gegeben: "Ich wollte immer weg aus
Tuttlingen - aber durch die Entdeckung der Duttfee habe ich hier ein neues
Zuhause gefunden."

 Gundula Taschner hat im Café Martin den Schacht des alten Marktbrunnens
entdeckt. Bis zum Stadtbrand 1803 zierte diesen die steinerne
Frauengestalt der Duttfee. Nach 1827 wird sie nie wieder erwähnt.


styletyp0 Die Duttfee
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(c) 2007 Schwäbische Zeitung

(Im Artikel haben sich zwei Fehler eingeschlichen : einmal ist das Café falsch benannt , der Brunnen befindet sich in den Kellern von Café Martin. Die Internetadresse lautet http://www.diedutt.de nicht ...duttfee.de )
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